"Mathe kann ich nun mal nicht!“

 

Die vierzehnjährige Lena – der Name ist selbstredend fiktiv – sitzt mir gegenüber und erklärt mit der Inbrunst der Überzeugung, der keine Zweifel offen lässt: „Mathe kann ich nun mal nicht.” Lena ist eine gute Schülern, sie wirkt auf mich intelligent und aufgeweckt. Nur in Mathe hat sie eine Fünf. Ich begebe mich mit dem jungen Mädchen auf die Spurensuche. In der Grundschule schreibt sie ihre erste schlechte Mathe-Arbeit – damals noch ein Ausrutscher. Die Eltern sind wenig begeistert, was Lena mehr spürt, als dass ihre Eltern wirklich schimpfen. Ihr älterer Bruder, wahrscheinlich froh, dass seine kleine Schwester auch mal eine schlechte Note nach Hause bringt, foppt sie: „Du bist aber dumm.” Lena ist ziemlich ehrgeizig und nimmt sich diese Reaktionen sehr zu Herzen. Einige Wochen später muss sie im Unterricht an die Tafel und soll eine Mathe-Aufgabe lösen. Sie verheddert sich total und die Klassenkameraden lachen. Weitere kleinere und größere Ereignisse kommen im Laufe der Monate und Jahre hinzu, bis Lena wirklich davon überzeugt ist, dass sie Mathe einfach nicht kann – keine Chance.

Haben Sie schon einmal versucht etwas zu lernen, von dem Sie überzeugt waren, dass sie es nicht können oder begreifen? Bei den meisten funktioniert das nicht wirklich gut. Im Extremfall ist es etwas, was uns unser ganzes Leben lang begleitet und blockiert, und uns sogar daran hindert unsere Potenziale voll zu entfalten. Vielleicht denken Sie jetzt: „Jeder hat seine Stärken und Schwächen.” Was vollkommen richtig ist. Bei Lena war es nur so, dass ihr ganzer Focus nur noch auf Mathe ausgerichtet war. Sie hat ihre Stärken gar nicht mehr wahrgenommen und letztendlich sehr darunter gelitten.

Nachdem wir die Blockade gelößt hatten, war Mathe plötzlich nicht mehr so schlimm. Sie konnte sich sogar im Unterricht wieder konzentrieren und gewann ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück.

Mathe ist nicht ihr Lieblingsfach, aber sie kann wieder neutral damit umgehen und hat passable Noten.